Marcus Schwier – ein Blick hinter die Kulissen

In Kürze ist unser „Friend with Vision“ Marcus Schwier mit zwei Fotoausstellungen in NRW vertreten: Im Rahmen des Duesseldorf Photo Weekend zeigt er vom 5. Februar bis 12. März im Schloss Benrath fünf Werkkomplexe, die sich als mehr oder weniger in sich geschlossene Serien mit den Themen Architektur-, People- und Landschaftsfotografie beschäftigen und mit denen er ganze sieben Räume des Schlosses belegt, die gekonnt die verschiedenen Bilderserien miteinander verschmelzen lassen.

Im Zuge dessen gewährt Marcus uns einen Blick hinter die Kulissen seines Schaffens.

 

Terminkasten einbauen:

Ludwiggalerie, Schloss Oberhausen: 22.01. – 14.05.2017
Schloss Benrath, Düsseldorf: 05.02. – 12.03.2017

 

Der Düsseldorfer Marcus Schwier zählt zu den bedeutendsten deutschen Fotografen, dessen Arbeiten neben seinen Ausstellungen in zahlreichen Magazinen und Büchern publiziert werden.

Er hat sich vor allem im Bereich Architekturfotografie einen Namen gemacht, aber mit seinen Ausstellungen beweist er einmal mehr, dass er weitere Bereiche der Fotografie ebenso gut beherrscht und so überrascht er immer wieder mit neuen, noch nie gesehenen Serien. Vielfach drehen sich seine Werke um auf den ersten Blick banale Aspekte des Tagesgeschehens, die später zumeist ihre Aktualität und Brisanz durch das Zeitgeschehen erhalten.

 

Fotoausstellung Schloss Benrath, Düsseldorf

Die ausgestellten Themenkomplexe sind:

  • NIGHTSHOTS – Nachtaufnahmen aus diversen Städten rund um den Globus, die die raumbildende Wirkung von Licht thematisieren und zeigen, wie Beleuchtung die Identität von Dingen verändert
  • GREENHOUSE / AGRICULTURE – Fotografien, die sich der Industrialisierung der Landwirtschaft und den menschlichen Ordnungsvorstellungen gegenüber der Natur widmen
  • ROUNDABOUT & STRAIGHT AHEAD – mit dem Hochstativ aus der Vogelperspektive entstandene Fotografien, die aus einer zunächst fremd wirkenden Perspektive überraschende und heitere Blicke auf sich sonnende Menschen freigeben
  • CTRL-Space – Fotografien aus Paris, die sich zwar aus derselben Höhe, aber dank der Kavalierperspektive über eine andere Blickrichtung dem Thema Überwachungstechnik nähern
  • INTERIEURS – Fotografien, die die architektonische Dynamik komplexer Bauwerke der Moderne präsentieren

 

„Meine Bilderserien verstehe ich als Langzeitprojekte, denen ich über die Zeit hinweg immer neue Aspekte hinzufüge“, so Marcus Schwier.

Dabei greifen seine Themenkomplexe auch häufig in einander und wirken fast wie die Kapitel eines Buches, bei dem ein neues Kapitel auf dem vorherigen basiert, aber auch für sich genommen gelesen werden kann. Die Wahl der Räumlichkeit des Schlosses Benrath greift diesen Gedanken auf, denn dort läuft man nicht über Korridore zum nächsten Themenkomplex, sondern ein Raum grenzt an den nächsten an. Auch die Präsentationsform der verschiedenen Ausstellungsstücke wurde eigens für diese Ausstellung gewählt, sodass die thematische Verschmelzung räumlich als solche erlebt werden kann.

Seine Serien präsentiert der Profifotograf ganz bewusst über den Zeitverlauf hinweg in unterschiedlichen Bildgrößen, Techniken und Präsentationsformen. „Variation sorgt für bessere Wahrnehmung. Man erlebt die Exponate ganz anders“, so Marcus.

Seine avantgardistischen NIGHTSHOTS etwa haben ihre Wurzeln schon in der Zelluloid-Zeit mit Langzeitbelichtung. „Zwar reduziert die nächtliche Szenerie ein Bild sozusagen von alleine auf das Entscheidende, da alles Wesentliche bereits angeleuchtet ist. Dennoch sehe ich die Herausforderung darin, auch in die im Vorübergehen stockfinster erscheinenden Ecken und Nischen langzeitbelichtete Aufklärung zu bringen.“

Diese Liebe zum Detail, gepaart mit der klaren Struktur seiner Bilder, unter Nutzung der Möglichkeiten moderner Kameratechnik, machen die Besonderheit der Nachtaufnahmenserie aus, die 2003 mit dem Einfangen der nächtlichen Stimmung nord- und südamerikanischer Städte begann und ihn seither in viele Kontinente verschlagen hat. „Bis auf Australien habe ich die meisten Länder fotografiert und es ist immer wieder aufs Neue interessant zu sehen, wie die unterschiedlichen Farbtemperaturen dem jeweiligen Stadtbild eine völlig andere Anmutung geben. In Südamerika beispielsweise verbreiten die Quecksilberdampflampen ein sehr gelbstichiges Licht, während viele andere Länder mit deutliche kälteren Lichtquellen aufwarten.“

 

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Doch wie präsentiert man derartige Bilder dem Anlass entsprechend? Marcus stellt schon Anfang der 2000er Jahre fest, dass seine Scans und die später vom Fachlabor ausgelichteten Abzüge seiner Fotografien weit auseinander lagen. So wurde ihm sehr früh bewusst, wie wichtig Farbmanagement für ihn und seinen Workflow ist. „Die Arbeit an einem hardwarekalibrierten Monitor ist unerlässlich. Nur so kann ich sichergehen, dass die angezeigten Farben mit dem Bildergebnis übereinstimmen und ich später keine unangenehmen Überraschungen erleben muss. Bei Nachtaufnahmen wie in meiner Bilderserie NIGHTSHOTS lassen sich nur so Details in Schatten erkennen und ich sehe genau, welche Bilddetails im späteren Druck „abzusaufen“ drohen“, so Marcus. „Heutzutage wird bei mir alles digital produziert und daher ist ein solides Farbmanagement mit den Jahren noch viel wichtiger geworden als es damals schon war – es ist das A + O für mich. Für Archivaufnahmen leistet mein Imacon-Scanner nach wie vor gute Dienste.“

 

Weitere Informationen zu Marcus Ausstellung in Schloss Benrath

 

Ausstellung Ludwiggalerie Oberhausen „Let’s buy it! Kunst und Einkauf“

 

Neben seiner Präsenz in Schloss Benrath ist Marcus Schwier bis Mitte Mai mit insgesamt 10 seiner meist großformatigen auch in der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen vertreten. Seine Arbeiten werden in dieser breit angelegten Ausstellung mit Beiträgen vom Kupferstich bis zur Videoinstallation neben Werken von Albrecht Dürer, Andy Warhol und dem bestbezahlten zeitgenössischen Künstler, Gerhard Richter, präsentiert. Dabei nähert sich diese Ausstellung dem Thema Kunst als „teuerste Luxusware unseres Kulturkreises“ (Piroschka Dossi) über die verschiedenen Jahrhunderte hinweg und geht dabei auf die Frage nach Original, Kopie und Fälschungen ebenso ein wie auf das Verhalten der Menschen beim Einkauf und den Bruch mit Traditionen, wie sie Marcel Duchamp oder Andy Warhol im 20. Jh. wagten.

Marcus zeigt dabei eine Auswahl seiner in Hongkong entstandenen Nachtaufnahmen, bei denen er von außen einen Blick in diverse Straßengeschäfte hinein wirft, und er arbeitet auch hier wieder verblüffende Farben und Details heraus. Dieser unglaubliche Farb- und Detailreichtum wird durch die Erstellung mit Alpa und digitalem Mittelformat ermöglicht.

Zudem zeigt er einige seiner bekannten Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die er als mit einer 6×6 Mittelformatkamera in New York aufgenommen hat. Beim Betrachten seiner Werke, die er gezielt im Mittelformat fotografiert, wird dem Betrachter bewusst, wie einzigartig das Bild als Abstraktion wirkt. Es ist in der Lage, Details zu offenbaren, die in dieser Form tatsächlich nur als Bild vom menschlichen Auge erfassbar sind, da es die Gelegenheit bietet, zu verweilen, es genau zu betrachten und immer wieder neue Bilddetails zu entdecken.

Zuletzt zeigte Marcus 2016 sehr eindrucksvoll, was Detailreichtum bedeutet. Im Deutschen Pavillon des Janadriyah Festivals in Saudi-Arabien war er mit einer Bildinstallation vertreten, die eine Kantenlänge von über 10 Metern aufwies.

 

Link im Januar einfügen!

 

Weitere Informationen über Marcus Schwier und seine Arbeiten finden Sie unter http://original-photos.de