Gunther Wegner

In unserem heutigen Blogbeitrag geht es um das Thema Zeitrafferfotografie. Dazu stellen wir Ihnen mit Gunther Wegner einen wahren Experten der Timelapse-Fotografie vor.

Wer sich mit dem Thema Zeitrafferfotografie beschäftigt, der wird sicherlich auch schon einmal über Gunther Wegner „gestolpert“ sein. Gunther ist kein gelernter Fotograf, aber sein Interesse an der Fotografie von Kindheit an, die Leidenschaft für das Reisen und insbesondere die Faszination für das Thema Zeitrafferfotografie, haben dazu geführt, dass er inzwischen zu einer internationalen Koryphäe auf diesem Gebiet geworden ist.

Zur Einstimmung auf dieses Thema hier ein kleines Video, das der Fernsehsender NDR über Gunther Wegner und seine Zeitrafferfotografie gemacht hat: https://youtu.be/GUxhMYBA44U

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Als Gunther begann, sich 2009 mit dem Thema Zeitraffer intensiver auseinanderzusetzen, fiel ihm schnell auf, dass nur sehr wenig Informationen dazu zu finden waren. Auch eine Software, mit der sich die Einzelbilder für Zeitraffer- oder Timelapse-Aufnahmen einer dSLR zu einem Film zusammen setzen ließ, und die gleichzeitig seine fotografischen Anforderungen erfüllte, gab es nicht. Natürlich konnte man auch mit damals gängiger Software schon einzelne Fotos zu einem kleinen Filmchen zusammenfügen, doch als Fotograf wollte er mehr – wie zum Beispiel die klassischen Möglichkeiten der Bildbearbeitung von RAW-Dateien auch bei Bewegtbildern anwenden. Da sich bei längeren Zeitrafferaufnahmen oftmals Licht- und Wettersituationen ändern, kann die Bearbeitung der Sequenzen eben nicht für alle Fotos identisch vorgenommen werden. Für die Bildbearbeitung sollte zudem der gesamte Dynamikspielraum und die Sensorqualität einer digitalen Spiegelreflexkamera genutzt werden können. Natürlich lassen sich auch mit Videokameras Zeitrafferaufnahmen erzeugen, doch reicht die Qualität lange nicht an das heran, was eine Fotokamera zu leisten vermag.

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Also hat der gelernte Wirtschaftsinformatiker und IT-Projektmanager einen großen Teil seiner Freizeit investiert, viel geforscht und ausprobiert und am Ende sein eigenes Programm zur Verarbeitung von Zeitrafferaufnahmen geschrieben. Die Software, LRTimelapse, gibt es nun schon in der vierten Version. Sie wird von Amateuren und Profis weltweit eingesetzt. Uns gefällt insbesondere Gunthers Ansatz, die Software allen Interessierten auch kostenlos zur Verfügung zu stellen, sodass jeder damit bereits bis zu 400 Bilder für etwa 12-13 Sekunden lange Timelapse-Filme verwenden kann. Erst wenn die Sequenzen länger oder kommerziell genutzt werden, muss eine Lizenz für die Software erworben werden. Der Erfolg seiner Software gibt ihm Recht und bestätigt seine Kompetenz in Sachen Timelapse – allein in den letzten zwei Monaten haben mehr als 50.000 Anwender seine Software installiert.

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All das war Anlass genug den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen, Gunther lebt heute sowohl vom Verkauf seiner Software und dem eBook, was er zur Zeitrafferfotografie geschrieben hat (https://lrtimelapse.com/shop/), als auch von der Weitergabe seines Wissens bei Workshops und Fotoreisen.

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His website and forum http://lrtimelapse.com offer lots of detailed information about photography in general and time-lapse photography in particular.

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Gunthers Website (http://gwegner.de) bietet jedem, der sich mit diesem Thema (oder der Fotografie im Allgemeinen) beschäftigen möchte, einen reichen Fundus an Informationen und Anleitungen zur Zeitafferfotografie. Außerdem findet sich dort eine tolle Auswahl seiner faszinierenden Zeitrafferfilme, wie zum Beispiel die „Northern Skies“ (http://gwegner.de/blog/northern-skies-4k/ ), „African Skies 2“ (https://vimeo.com/gwegner/africanskies2) oder Impressionen aus Chile und Bolivien (https://vimeo.com/gwegner/altiplanoskies).

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Gunther hat sogar einen Zeitrafferwettbewerb ins Leben gerufen, der dieses Jahr bereits zum vierten Mal stattfindet und jungen Fotografen und Filmemachern eine Plattform bieten und Motivation schaffen soll, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ziel ist es, eine Timelapse-Story in innerhalb von 90 Sekunden auf den Punkt zu bringen. Das Thema des diesjährigen Wettbewerbs, zu dem Ende April Einsendeschluss ist, sind die vier Jahreszeiten. Natürlich lohnt sich eine Teilnahme, denn natürlich gibt es auch tolle Preise für die besten Einreichungen – auch Datacolor gehört zu den Preissponsoren.

Der krönende Abschluss des Wettbewerbs ist ein Event am 20. Mai in Hamburg, bei dem die nominierten Filme in einem Kino gezeigt und die Gewinner bekannt gegeben werden (http://gwegner.de/blog/zeitraffer-event-und-meet-greet/).

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Die ersten Schritte zur eigenen Zeitrafferfotografie

Wer selbst seine ersten Zeitrafferaufnahmen erstellen möchte, der braucht eigentlich gar nicht viel an Equipment – das ist das Schöne an diesem fotografischen Genre. Die meisten Fotografen haben das, was man benötigt, schon zu Hause: Kamera & Objektiv, Intervallauslöser (oder auch die eingebaute Timer-Funktion der Kamera) und ein Stativ.

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Damit ausgerüstet, wählen Sie ein Motiv aus und überlegen sich, wie sich dieses im Verlauf der Zeit (vielleicht erst mal innerhalb der nächsten 30 Minuten) verändern wird. Für den Anfang zum Beispiel feststehende Objekte wie Gebäude, Landschaften oder Skulpturen vor einem sich verändernden Himmel (z.B. ziehende Wolken) schön, oder eine Szene mit fahrenden Autos oder Schiffen – also der Kontrast aus Stillstand und Bewegung.

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Ist die Kamera sicher auf das Stativ montiert, stellen Sie die Kamera auf manuelle Belichtungsmessung für die Aufnahmen, um automatische Änderungen der Belichtung zu vermeiden, die zum Beispiel schon durch den Schattenwurf entstehen können. Zudem schalten Sie den Autofokus ab und fokussieren manuell auf den gewünschten Schärfepunkt. Wählen Sie im M-Modus der Kamera eine Belichtungszeit, die auf alle Fälle kürzer ist als das Intervall zwischen den einzelnen Aufnahmen. Ihr ISO-Wert sollte so niedrig wie möglich, aber so hoch wie nötig eingestellt sein – denken Sie daran, die ISO-Automatik der Kamera abzustellen.

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Bei einer späteren Abspielrate von 30 Bildern pro Sekunden (fps) benötigen Sie für 5 Sekunden Filmlänge insgesamt 150 Bilder. Bei einem Aufnahmeintervall von 5 Sekunden, brauchen Sie also ca. 12Minuten für die Aufnahme der Fotos.

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Für das Zusammenfügen der Aufnahmen zu einem Film in der späteren Bearbeitung können Sie am besten Gunthers Software LRTimelapse verwenden, die Sie sich hier kostenlos herunterladen können: https://lrtimelapse.com/download/

Wie die Bearbeitung und Ausgabe Ihrer ersten Timelapse damit funktioniert, erklärt dieses Video-Tutorial: http://gwegner.de/know-how/lrtimelapse-4-tutorial-deutsch/

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Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte und Gefallen an seinen ersten Zeitrafferaufnahmen gefunden hat, der wird schnell auf der Suche nach dem perfekten Intervallauslöser sein. So ging es auch Gunther, der festgestellt hat, dass die meisten dieser Auslöser nicht seine persönlichen Anforderungen für die Zeitrafferfotografie erfüllen: viele sind etwa zu langsam, denn für schöne, ruhige Film-Sequenzen werden kurze Intervalle benötigt, z.B. alle 2 Sekunden ein Bild. Gängige Intervallauslöser senden jedoch oft ein Autofokus-Signal an die Kamera, das bereits 1-3 Sekunden für die Übertragung und Fokussierung benötigt obwohl diese ja bei der Zeitrafferaufnahme gar nicht benötigt wird, da ja ohnehin manuell fokussiert wird. Auch Bilderzähler oder eine Anzeige seit wann die Aufnahmen laufen, fehlten Gunther bei den meisten kommerziell zu erwerbenden Geräten.

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Der findige Entwickler hat sich also selbst um eine Lösung bemüht, die er nun über seine Website anderen kostenlos und als Open Source zum Nachbauen zur Verfügung stellt. Die Software und Baupläne sowie Bauteileliste und 3D-Druckdateien finden Sie hier: http://gwegner.de/know-how/lrtimelapse-pro-timer-free/.

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Schönes Schaffen und Gutes tun

Wir finden die Zeitrafferfotografie extrem faszinierend, eröffnet Sie uns doch einen Blick auf die Welt, der uns sonst verborgen bleibt. Die Veränderung der Landschaft über einen längeren Zeitraum im Zeitrafferfilm dargestellt kann fesseln, schockieren oder inspirieren.

Gunther Wegners Zeitrafferfilme inspirieren uns und wir freuen uns, dass er seine Kreationen einsetzt, um auch Gutes damit zu tun. Wer zum Beispiel den Film „African Skies 2“ in besserer Qualität als Download erwirbt, unterstützt damit den Tierschutz in Afrika.

Mädchen mit Alpaca

Dafür gibt es ein „Daumen hoch“ vom Datacolor-Team für Gunther Wegner!

Fotomaterial: http://gwegner.de/foto/galerien/